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Apr
18

Ein Einblick in die Social-Media-Landschaft deutscher Versicherungsunternehmen

Unternehmen in der deutschen Versicherungslandschaft halten sich bisher vergleichsweise zurück im Social Web. Hauptsächlich wird in Form von (Corporate) Blogs kommuniziert. Eine Übersicht der Blogs deutscher Versicherer hat Klaus Eck zusammgestellt. Vereinzelt werden zudem YouTube Channels genutzt und es existiert eine Liste mit Twitter-Accounts deutscher Versicherungen. Der Großteil dieser Präsenzen hat jedoch nur eine geringe Anzahl an Followern, Dialoge finden kaum statt. Ein ähnlich zurückhaltendes Bild zeigt sich auch im Bezug auf Facebook. Zwar finden sich hier vereinzelt Seiten lokaler Makler und Generalgenturen, professionelle Corporate Pages deutscher Versicherer sucht man jedoch fast vergebens. Sofern sie doch vorliegen, ist sowohl die Zahl der Fans wie auch die Frequenz aktueller Inhalte gering.

Über die Gründe für die Zurückhaltung der Versicherungsbranche beim Thema Social Media lässt sich bisher nur spekulieren. Kai Wels, ehemaliger Mitarbeiter einer Versicherung und Social-Media-Berater hat sich mit dieser Fragestellung Ende 2009 auf seinem Blog beschäftigt. Seine Erklärung für dieses Phänomen basiert zum einen auf der Vermutung eines Generationenproblems. Im Kreis der Unternehmensleitung, aber auch in den zuständigen Abteilungen für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, seien der Mehrwert und die Potenziale noch nicht hinreichend erkannt und daher ein Umdenken erforderlich. Ein weiteres Gegenargument vermutet er im sogenannten „Nasengeschäft“; sprich: in der besonderen Bedeutung der Beziehungen zwischen Kunde und Vermittler bzw. Aussendienst und Vermittler, die in den Augen der Versicherungsunternehmen durch Social-Media-Applikationen nicht zu ersetzen seien. Auch hier attestiert der Autor den Unternehmen eher Unkenntnis in Bezug auf die Anwendungen und weißt darauf hin, dass Social Media Face-to-Face-Kommunikation nicht ersetzen, sehr wohl aber unterstützen könne – was bisher nicht erkannt wird.

Die Argumente des Autors sind nachvollziehbar, es lassen sich aber auch andere Gründen für das bisher verhaltene Engagement der Versicherer identifizieren, die durchaus eine strategische Komponente enthalten. Social-Media-Marketing bzw. Social-Media-Management ist eine betriebliche Aufgabe, die sich erst im Laufe des letzten Jahres wirklich professionalisiert hat. In den vergangenen Jahren wurde auf diesem Gebiet viel gelernt und natürlich wurden Fehler gemacht. Aus dieser Warte betrachtet ist es verständlich und strategisch sinnvoll, wenn Unternehmen, deren wichtigstes Kapitel ihre Vertrauenswürdigkeit ist, zunächst nur durch Beobachtung lernen und sich erst nach Etablierung des neuen Kanals mit einem Engagement auseinandersetzen. Unterstützt wird dieser Trend durch aktuelle Studien der Unternehmensberatung Accenture und der Heute und Morgen GmbH. Diese weisen einheitlich darauf hin, dass mit etwas Verzögerung nun auch die Versicherungsbranche für Information und Vertrieb auf Online-Medien vertraut. Und so scheint es auch wenig verwunderlich, dass immer mehr Social-Media-Agenturen in den vergangenen Monaten Versicherungsunternehmen als Neukunden begrüßen durften.

Es bleibt also mit Spannung zu erwarten, ob und in welcher Form die Versicherungsbranche in den kommenden Monaten das Thema Social Media für sich entdeckt. Wir werden hier weiter darüber berichten.

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