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Okt
06

Location Based Services – Zukunftsformat oder Spielerei?

„(…) eine mobile Applikation, die es ermöglicht, sich an Orten einfacher zurechtzufinden bzw. sie zu ‚nutzen‘ und auf interessante Art und Weise zu erkunden. (…) ein Freunde-Finder, ein ‚social‘ Stadtführer und ein Spiel, dass Nutzer herausfordert, neue Dinge zu entdecken und dafür auch belohnt zu werden.“

So weit, so gut liest sich die (frei übersetzte) Beschreibung des Location Based Services ‚Foursquare‘. Location Based Service – oder kurz LBS – meint standortbezogener Dienst. Mithilfe von positionsabhängigen Daten lokalisiert sich der Nutzer durch so genannte „Check-Ins“, so dass ihm auf den Ort bezogene Informationen und Services bereitgestellt werden können – so z.B. Infos zu Geschäften oder Sehenswürdigkeiten in seiner direkten Umgebung. Zum jeweiligen Ort kann der Nutzer auch Kommentare bzw. Tipps abgeben. Neue „Locations“ inklusive Beschreibung können jederzeit angelegt werden; zu jeder „Location“ bekommt man angezeigt, wie viele „Check-Ins“ es gab und welche Kommentare hinterlassen wurden. Was früher der Edding für den Schriftzug „I was here“ war, ist heute das Handy, mit dem man sich digital verewigt.

Location based Services – Zukunftsformat oder Spielerei?

Spätestens seit Facebook die Integration eines Location Based Services (‚Facebook Places‘) angekündigt und gestern auch in Deutschland freigeschaltet hat, sind diese Plattformen ins Bewusstsein eines Großteils der Social-Media-Nutzer vorgedrungen – für die meisten von ihnen aber noch unberührtes Neuland.

Location based Services – Zukunftsformat oder Spielerei?

Dennoch könnten sich Dienste wie Foursquare, Facebook Places, Friendticker, Gowalla und Co. auf dem Vormarsch in Richtung einer breiteren Masse befinden (weltweit immerhin 2,4 Mio. User allein bei Foursquare). Denn zum einen nimmt die Verbreitung internetfähiger mobiler Endgeräte mit Datenflatrate zu und zum anderen schlummern noch viele unausgeschöpfte (Marketing-)Potenziale in ihnen. Auf den ersten Blick sind z.B. „Mobile-Couponing“-Aktionen, bei denen Angebote bzw. Gutscheine mobil zugesteuert oder Vergünstigungen an Nutzer mit den meisten Check-Ins vergeben werden, vorrangig für Gastronomie, Supermärkte oder häufiger in Anspruch genommene Dienstleistungen (z.B. Friseure) interessant. Aber es gibt auch Beispiele, bei denen bereits darüber hinaus gedacht wurde – so z.B. beim „Octoberfest-Badge“ der Lufthansa. Auch Gewinnspiele in Form einer guten alten Schnitzeljagd sind über Location Based Services realisierbar.

Für Versicherer mit regionalen Geschäftsstellen könnte aber vor allem das Stichwort „Glokalismus“ eine Rolle spielen. Also in diesem Falle das Nutzen des Worldwide Webs, um regionale Nähe – vor allem aber auch Präsenz – zu demonstrieren. Denn für den Nutzer, der über Location Based Services nach Orten sucht, ist nur derjenige „real“, der auch hier digital existiert. Man wird sichtbar, rutscht auf die Agenda und bietet gleichzeitig eine Plattform für Kommentare. Das Präsentsein trägt außerdem zur positiven Imagebildung und Attraktivitätssteigerung bei; nicht nur bei Kunden, sondern auch bei (potenziellen) jungen Arbeitnehmern, die in einem fortschrittlichen, offenen Unternehmen arbeiten möchten.
Des Weiteren sind auch Rabattaktionen oder das Zusteuern saisonaler Angebote denkbar – natürlich etwas kreativ um die Ecke gedacht, denn man besucht seine Versicherungsagentur sicherlich nicht so häufig wie seinen Lieblings-Starbucks.

Momentan sind Versicherungen auf diesen Diensten aber noch absolute Ausnahme. Sympathischerweise pflegen Mitarbeiter mit Vorliebe immerhin die Kantinen ihrer Unternehmensstandorte als „Location“ ein (so z.B. bei der Deutschen Rück oder der Deutschen Rentenversicherung).
Eine ‚Quick-and-Dirty‘-Bestandsaufnahme bei Foursquare am Beispiel Düsseldorf (inkl. erweiterter Umgebung) zeichnet folgendes Bild:

7 Treffer unter “Versicherung” (darunter u.a. LVM und Europa), kaum Check-Ins, ein Kommentar
6 Treffer für „AXA“
5 Treffer für „Allianz“
4 Treffer für „Ergo“
3 Treffer für „Generali“
3 Treffer für „Debeka“
2 Treffer für „Provinzial“
1 Treffer für „HDI“
1 Treffer für „Signal-Iduna“

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Nutzung von Location Based Services in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Die teils noch tief verborgenen Potenziale, sowohl für User im Allgemeinen als auch für Unternehmen, lassen aber mit Spannung die weitere Entwicklung erwarten. Der jeweilige persönliche Nutzen liegt – wie so häufig beim Thema Social Media – im Auge des Betrachters.

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