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Apr
27

Crowdsourcing und Open Innovation – Unternehmen zum Mitmachen

Das Thema Crowdsourcing ist keineswegs brandneu, dennoch aktuell, da es in Deutschland branchenübergreifend – auch im Versicherungsbereich – immer stärker in den Fokus der Unternehmensaufmerksamkeit rückt. Dabei geht es v.a. um das Auslagern von Aufgaben an Kunden oder andere Stakeholder, um Leistungen und Prozesse für diejenigen zu optimieren oder neu zu schaffen, für die sie eigentlich gedacht sind. Das ist grundsätzlich keine neue Strategie, sie erlebt aber durch die Etablierung der Social-Media-Kultur und die weitreichenden technischen Möglichkeiten digitaler Vernetzung, Interaktion und Partizipation gehörigen Aufwind.

Die Öffnung des eigenen Innovationsprozesses fällt einigen Unternehmen von Natur aus leichter als anderen. Sie erfordert ein Umdenken – allem voran das Verständnis für eine Beziehung auf Augenhöhe mit den einbezogenen Kunden (oder anderen Zielgruppen). Was grundsätzlich auch im Social Web gilt: Menschen wollen mitgestalten, sich einbringen, mitbestimmen. Und genau das bietet Unternehmen die Chance, von der „Intelligenz der Masse“ zu profitieren und eine – so gerne wie häufig beschworene – „Win-Win-Situation“ für sich und den Kunden zu schaffen.

Ein Großteil der etablierten Crowdsourcing-Beispiele sind im Konsumgüterbereich zu finden. Darunter die Plattform „My Starbucks Idea“, auf der Kunden nicht nur Ideen für neue Geschmacksrichtungen und Produkte, sondern auch für die Ladenatmosphäre, das Merchandising u.v.m. einreichen können. Die User stimmen auch ab, welche Ideen ihnen am besten gefallen und umgesetzt werden sollen. Das macht die eigenen Kunden zu Kreativen, Produktentwicklern und gleichzeitig Marktforschungsteilnehmern für die Produkte und Leistungen, deren Empfänger sie selbst sind. Weitere Beispiele sind die Plattform „Tchibo Ideas“, auf der dazu aufgerufen wird, eigene Produktideen und Lösungen für Alltagsprobleme einzureichen, oder der kreative Spielzeughersteller Lego, der bereits Produkte mit der Community entwickelt hat und seinen Fans u.a. die Ideen-Plattform Cusoo, bei der erfolgreiche “Hobby”-Produktentwickler sogar beteiligt werden können, bereitstellt.

In jüngerer Zeit kommer Open-Innovation-Strategien aber auch in der deutschen Versicherungs- bzw. Finanzdienstleister-Landschaft zum Einsatz. Neben der „Mitmach-Bank“ Fidor, deren grundsätzliches Unternehmensmodell auf dem Crowdsourcing-Gedanken fußt, indem Kunden in einer Community Produkte mitgestalten und sich gegenseitig beraten können, gibt es weitere Beispiele. Im Sinne der internen Ideenfindung und Motivation hatte die HypoVereinsbank bereits 2010 das Motto „Wenn ich mein Kunde wäre“ vorgegeben und eigene Mitarbeiter über die Optimierung von Service- und Beratungsstandards diskutieren lassen – was etwa 900 Verbesserungsvorschläge einbrachte. In einer zweiten Phase bot die Bank Privatkunden und KMU eine Plattform unter dem Titel „Du bist die Bank“ (Quelle: internetworld.de). ERGO stellt seinen Kunden im Rahmen der „Kundenwerkstatt“ die Frage, was aus ihrer Sicht zu verbessern wäre, während CosmosDirekt im „IdeenCosmos“ die eigenen Kunden ebenfalls dazu auffordert, Verbesserungsvorschläge zu Produkten, Services oder der Kommunikation einzustellen. Und es bieten sich auch Möglichkeiten im kleineren Rahmen: So hatte z.B. Direct Line vor einiger Zeit seine Facebook-Fans dazu aufgerufen, den Umfang der eigenen Mobile-App mit zu definieren.

Wir dürfen gespannt bleiben, was und wer sich zukünftig in Sachen Crowdsourcing noch bewegen wird, um die Chance zu nutzen, sich selbst und seine Leistungen in Bezug auf Kundenwünsche weiterzuentwickeln. Das Eingehen auf Bedürfnisse kann hohes Involvierungspotenzial bergen und v.a. Markenwerte wie Offenheit und Innovationsbereitschaft aufladen. Ein weiteres Plus von Crowdsourcing-Angeboten: Sie aktivieren häufig Menschen, die innerhalb ihrer sozialen Netze und Gruppen Meinungsführer-Charakter besitzen.

Mit den vorangegangenen Zeilen sollte lediglich ein knapper Einblick in ein komplexeres Thema geboten werden – das aber lohnenswert erscheint, näher betrachtet zu werden. Vertiefende Infos und inspirierende Beispiele liefern u.a. der crowdsourcingblog, die Plattform „Die Erfinder“ von 3M, Go-Crowdsourcing.de und der Best-Practice-Business-Blog in seiner Rubrik „Crowdsourcing.

1 Kommentar

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  1. Günter Siegmund sagt:

    Sehr geehrter Herr Nothdurft,

    ein sehr interessanter Artikel. Über Herrn Christoph Heinze stehen wir quasi schon in Kontakt zueinander. Ich denke es wird ein interessantes Gespräch, wenn wir uns Ende Juni persönlich kennenlernen werden, denn da ist meines Wissens nach ein Termin in Aussicht stehend.
    Ich freue mich bereits heute auf den persönlichen Kontakt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Günter Siegmund
    Vertrieb D.A.CH.

    CrowdEngineering Inc.
    http://www.crowdengineering.com

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