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Mrz
11

Shareconomy – neuer Trend oder alter Hut?

 

Ob Auto, Büro, Software oder auch im Banken- und Versicherungsbereich: Die Bereitschaft zu teilen ist enorm und das Bedürfnis Produkte, Ressourcen und Dienstleistungen alleine in Anspruch zu nehmen sinkt. Eine Bitkom Umfrage ergab, dass für 83% aller deutschen Internetnutzer das Teilen im Internet zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Die Vorteile liegen auf der Hand und der Effekt nennt sich kollaborative Ökonomie oder auch Share Economy. Der Begriff, dem der Harvard Ökonom Martin Weitzmann bereits 1984 ein Buch widmete, wurde nun durch die Cebit als Leittehma aufgegriffen und kurz “Shareconomy” getauft.

Shareconomy im gesamtwirtschaftlichen Kontext gesehen erhöht den Wohlstand aller, je mehr unter den Marktteilnehmern geteilt wird. Mit Hilfe des Web 2.0 und durch Technologien wie Cloud Computing gewinnt das Thema an Geschwindigkeit. Für Unternehmen und User können sich schnell spürbare Mehrwerte ergeben, die wiederum motivieren ebenso zu teilen. Für Unternehmen kann der “Teilen-”Ansatz durch z.B. Software as a Service Software (SaaS) bedeuten, erhebliche Anschaffungs- und Fixkosten in vergleichsweise geringe variable Kosten verwandeln zu können. Nicht zuletzt kann die Open Source Initiative, bei der Quellcode öffentlich zur Verfügung gestellt wird, ebenso als Teil der Shareconomy gesehen werden.

 

Die Idee der Shareconomy ist nicht neu

Die Idee an sich ist, wie der Zeitpunkt von Herrn Weitzmanns Buchveröffentlichung beweist, nicht neu. Bürogemeinschaften, das so genannte Coworking, bei dem meist kreative Freiberufler eine gemeinsame Infrastruktur teilen, existiert bereits seit 1999. Aber neue Technologien ermöglichen es erst, dass Sharing Plattformen unterschiedlichster Art besonders seit den letzten Monaten boomen.

Die Bewegung ist so groß, dass sogar die Automobilbranche, die an dem Teilen von Autos eigentlich nicht interessiert sein sollte, auf den Zug aufgesprungen ist. Keiner der drei größten deutschen Automobilhersteller hat es sich nehmen lassen, wenn auch nur als Pilot, einen Car Sharing Service anzubieten. So findet das eigentlich seit den Neunzigern bestehende Car Sharing erst jetzt bei Großstädtern Akzeptanz. Bei Car Sharing Lösungen wie BMWs DriveNow wird durch das Zusammenspiel von Internet, intelligenter Software und Smartphone erreicht, dass dem Kunden innerhalb weniger Minuten ein Auto zur Verfügung steht. Der User kann sich auf dem Smartphone die Fahrzeuge in seiner Nähe anzeigen lassen und ohne Umwege über eine App buchen. Der Zugang zum Auto erfolgt per RFID-Technologie.

Auch in der Finanz- und Versicherungsbranche gibt es erste Ansätze der Shareconomy. Unkonventionelle Schwarmfinanzierungen (Crowdfundings), wie das Düsseldorfer Unternehmen Auxmoney sie anbietet, finden breitere Akzeptanz. In 2012 hat Auxmoney in Kooperation mit der Süd-West-Kreditbank 20 Millionen Euro an Kreditvolumen von Privat an Privat vermittelt. Im Versicherungsbereich vermittelt Friendsurance eine Versicherungsleistung, bei der sich eine kleine Gruppe von Menschen eine Versicherung teilt. Bei Schadensfreiheit wird ein Stück des Versicherungsbeitrages wieder ausgeschüttet. Das System basiert darauf, dass sich die Gruppe, die sich die Versicherung teilt, untereinander beaufsichtigt. Versicherungsbetrug wird laut Aussagen des Anbieters dadurch verringert.

Ein prominenteres Beispiel für die Shareconomy ist Spotify. Erst durch schnelle mobile Internetverbindungen ist es möglich, dass Musik unterwegs geliehen statt gekauft wird. Die Musik Streaming Plattform wird derzeit sehr intensiv von der Telekom beworben. Ganz nebenbei wird durch die monatlichen Beiträge der Spotify Premiummitglieder die GEMA bedient und somit der Urheberrechts-Auseinandersetzung entgegengewirkt.

 

Die Shareconomy hat in Unternehmen bereits Einzug gehalten

Im weitesten Sinne ist auch das  Software Lizenzmodel SaaS Teil der Shareconomy. Durch SaaS können Unternehmen Anschaffungs- und Fixkosten verringern, da der “traditionelle” Kauf der Software entfällt. Durch die meist Browser-basierten Anwendungen entfällt für Unternehmen darüber hinaus die Anschaffung und der Betrieb der dazugehörigen Hardware-Infrastruktur.

Die OEV Online Dienste und deren Kunden profitieren ebenso von der Shareconomy. Denn die OEV setzt seit Jahren auf ein Open Source basierendes Content Management System. Dadurch wird der Gruppe der öffentlichen Versicherer eine qualitativ hochwertige und stabile Web Infrastruktur zur Verfügung gestellt und weiterentwickelt. Durch die Nutzung des öffentlich zur Verfügung stehenden Quellendes entfallen Lizenzkosten. Im Gegenzug beteiligt sich die OEV Online Dienste seit 2006 an den OpenCMS days.

Darüber hinaus wird bei der OEV mit Confluence von der Firma Atlassian der Austausch von Informationen maßgeblich gefördert. Entwickler, Projektmanager und Business Consultants kommunizieren und dokumentieren offen, schnell und effizient mit einer Wiki-ähnlichen Software. Auch hier ist die Devise: umso mehr protokolliert, dokumentiert (Sprich: geteilt) wird, umso mehr Nutzen hat die Gemeinschaft.

 

Fazit

Cebit Hannover, Halle 4

Ob gesamtwirtschaftlich, für Unternehmen oder Individualpersonen: die Shareconomy, wo nur durch das Teilen Mehrwert entsteht, ist eine fantastische Idee. Ob Shareconomy ein brandneuer Trend ist, darf zumindest bestritten werden. Auch wo die Definition von Shareconomy aufhört und eine traditionelle Dienstleistung anfängt, ist nicht eindeutig. Unstritttig ist jedoch, dass die Rahmenbedingung für die Shareconomy so gut sind wie nie. Wir können davon ausgehen, dass unser Konsumverhalten und das Verhalten von Unternehmen durch Shareconomy nachhaltig geprägt wird.

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