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Made for Mobile – Perspektive für Unternehmen

13. März 2013: der Papst hält anlässlich seiner Wahl eine Ansprache. Vor ihm: ein Lichtermeer. Es sind nicht Kerzen, sondern Lichter von Tausenden Smartphones. Sie erhellen den Platz und versuchen jede Sekunde der Rede als Ton, Video oder Foto festzuhalten.

Immer „on“ zu sein – mit dieser Möglichkeit eröffnen Smartphones eine ganz neue Dimension der Berichterstattung. Die Schlüsselwörter heißen: Ortsungebundenheit, Geschwindigkeit, Aktualität und Kürze. Ebenfalls locken die Produktionskosten, die beim Smartphone-Journalismus weit unter denen traditioneller Produktionsweisen liegen. Dass Aufnahmen mit dem Smartphone gegenüber den teuren Audio- und Bildtechniken nicht immer zurückstehen müssen, zeigen einige Arbeiten aus den vergangenen Jahren.
23. Januar 2013: Kameramann Andy Portch und Korrespondent Mark Stone berichten live von einem Brand aus China. Aufgenommen wurde mit einem iPhone, die Liveschaltung zur BBC erfolgte über die App Dejero+.Liveschalte_mobile Auch das Videoschnittprogramm iMovie verfügt bereits jetzt über eine CNN-iReport-Integration. Auf dem Smartphone angefertigte Videoclips können statt bei YouTube auch direkt auf der von CNN bereitgestellten Plattform veröffentlicht werden. Dass eben nicht das Equipment sondern der Produzent gute Bilder ausmacht, bewies ferner Pulitzer-Preisträger Damon Winter mit seiner auf dem iPhone aufgenommenen Fotoreportage über das 1. Bataillon der 87. Infanterie der US-Armee im Norden Afghanistans. Er gewann 2010 den dritten Platz beim renommierten Pictures-of-the-Year-Wettbewerb.

Ohne den Umweg über das Studio oder die Redaktion zu nehmen, setzen Nachrichtenagenturen und Handyhersteller auf so genannte Toolkits. Mit ihnen produzieren und publizieren sie Multimediamaterial in Sendequalität. Im Januar 2008 wurde der Einsatz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos getestet.

Mobile Journalism auch in deutschen Redaktionen?

Blick nach Deutschland: Auch die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfundanstalten der mobile-reportingBundesrepublik Deutschland sollen sich langsam an Mobile Journalism heranwagen: „Die ARD will bei Großereignissen beweglicher werden. Korrespondenten können künftig mit ihrem Smartphone live auf Sendung gehen”, schreibt Redakteur Daniel Bouhs am 7.2.2013 in der taz. Und weiter: „Mehrere Dutzend Reporter in den ARD-Studios im In- und Ausland seien bereits mit dem Modul ‘Mobile Reporter’ ausgestattet. Wird es aktiviert, zeichnen die Server in Hamburg direkt auf, was ein Reporter auf dem Monitor seines Taschenbüros sieht – die Kennung des Korrespondenten inklusive, zur Sicherheit.”

Ein Jahr nachdem Apples iPhone auf den Markt gekommen ist, findet auch auf wissenschaftlicher Ebene  eine erste Auseinandersetzung mit dem Trend „Mobile Reporting“ statt. „Mobiles Allround-Massenmedium“, bezeichnen die Wissenschaftler Ralf Hohlfeld und Cornelia Wolf die mobilen Endgeräte. Sie haben 2007 Chefredaktionen und Multimediadienste hinsichtlich der Nutzung mobiler Endgeräte zur Medienproduktion befragt. Nach Auffassung vieler Befragter gehöre es demnach „zu den wahrscheinlichsten redaktionellen Konsequenzen der Individualisierung, dass Nachrichten künftig für Zielgruppen recherchiert und infolge der möglichen Identifizierung und Lokalisierung sogar zielpersonengerecht im jeweiligen Medium positioniert werden.“

Die Etablierung des Smartphone-Journalismus erscheint im Zuge der digitalen Entwicklungen als selbstverständlich. Ausrüstung_Mobile JournalismDennoch wagen sich verhältnismäßig nur wenige Redaktionen an die Aufnahme mit dem mobilen Begleiter heran. Dem Mobile Journalism wird von den alteingesessenen Redakteuren stattdessen skeptisch und eher mit Spott begegnet. Hinzukommt, dass das Smartphone alleine technisch noch nicht mit den traditionellen Aufnahmegeräten mithalten kann. Und auch gerade die Bearbeitung von Ton- und Bildspuren ist auf den kleinen Bildschirmen nur suboptimal. Die mobile Konkurrenz rüstet trotzdem auf. Mit externen Mikros, Objektiven, den dazugehörigen Apps – und selbst Steadycam-Vorrichtungen für das iPhone sind bereits auf dem Markt.

Was heißt das für die Unternehmenskommunikation?

Mobile Reporting gehört aktuell noch zur Nische und ist zumeist noch mehr Low-Budget-Experiment als High-End-Produktion. Wir wissen jedoch bereits: Die Zukunft ist mobil. Und gerade die Entwicklung im Mobile Journalism gibt uns zum Einen einen Vorgeschmack darauf, wie uns zukünftig multimediale Nachrichten übermittelt werden können. Zum Anderen werden aber auch Perspektiven und Chancen für die eigene Unternehmenskommunikation gegeben.

Die Kommunikation auf sozialen Netzwerken zeigt sich nachweislich durch die Integration multimedialer Inhalte am effektivsten. Mit den Tools des „Mobile Journalism“ könnte also entsprechend auch eine Öffentlichkeitsabteilung kostengünstig und ohne das Hinzuziehen weiterer Manpower aufrüsten. Im Vordergrund könnte die Erschließung der jungen Zielgruppe, Kundenbindung, Neukundengewinnung oder die individuelle Kundenansprache stehen.

Nützliche Apps – auch für die Unternehmenskommunikation

Wir haben für Sie die nützlichen Anwendungen und Technik-Features für Smartphones aufgelistet, die nicht nur für Journalisten interessant sind.

RECHERCHE

Ihnen fehlen Inhalte für Ihre Beiträge auf Facebook, Twitter und Co? Diese Dienste können bei der Recherche sehr dienlich sein.

Twitter
Immer die neuesten Nachrichten als erster lesen – auf das Wichtigste komprimiert. Bei Twitter entscheiden Sie, von wem bzw. zu welchen Themen Sie Infos bekommen wollen. Natürlich für iPhone- und Android-Nutzer.

Feadly News Reader
Für den direkten und individuellen Informationsmix aus mehreren Quellen Nachrichtenseiten in einer App bündeln. Für iOS und Android. Ähnlich aufgebaut: Flipboard.

FOTOS

Snapseed
Nur eine von zahlreichen Apps zur Fotobearbeitung auf iOS- und Android-Geräten.

Camera+
… bietet Android- und iOS-Nutzern einen professionellen Funktionsumfang, der die bereits fest auf dem Gerät implementierte Foto-App um Längen schlägt. Vor allem durch bessere Modifikationsmöglichkeiten in den Bereichen Fokus, Belichtung und Weißabgleich. Geschossene Fotos lassen sich zudem nachträglich mithilfe von Filtern und zahlreichen weiteren digitalen Werkzeugen bearbeiten.

AUDIO

iSaidWhat
Eine von zig Apps für Tonaufnahmen mit dem iPhone. Alternativ bietet sich auch das vorinstallierte iTalk an.

Tape Machine
Günstiges Aufnahme-Tool für Android-Geräte.

Hindenburg
Die für Journalisten konzipierte App Hindenburg erlaubt ein professionelles Auspegeln und Monitoring während der Aufnahme und unterstützt Zusatzhardware wie ein externes Mikrofon. Nach der Aufnahme lässt sich das Audiomaterial mit etwas Fingerfertigkeit bearbeiten und über verschiedene Ausspielwege weiterverbreiten oder veröffentlichen. Mit 26,99 € jedoch verhältnismäßig teuer.

Hokusai Audio Editor
Die Mehrspurschnittsoftware ist eine gute und als Gratis-App kostengünstige Alternative und vollkommen ausreichend für einfache Tonbearbeitungen.

VIDEO

Auch hier gibt es unzählige Apps für iphone und Android, so zum Beispiel:

iMovie

… das bisher sicher prominenteste Video-Schnittprogramm für iphone-Nutzer.

VidTrim

Eines der vielen simplen Programme zur Videobearbeitung für Android-Geräte.

VERÖFFENTLICHUNG

Bambuser
Videolivestream via App für iOS und Android.

Lucie Live
Audiolivestreams in Studioqualität für iOS und Android.

NÜTZLICHE LINKS ZUM THEMA

http://mobile-journalism.com/

http://webjournalist.org/topics/mobile/mobileandjournalism-italy.pdf

http://www.fachjournalist.de/mobile-journalism/

http://www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/redaktionswerkstatt/10-dinge-die-journalisten-mit-ihrem-smartphone-ausprobieren-sollten.html

 

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